( Predigt 2. Korinther 9 ) [ Afrikaanse Vertaling ] [ Abkündigungen502.68 KB ]
1 Von demDienst, der für die Heiligen geschieht, brauche ich euch nicht zu schreiben.
2 Denn ich weiß von eurem guten Willen, den ich an euch rühme bei denen aus Makedonien und sage: Achaia ist schon voriges Jahr bereit gewesen! Und euer Beispiel hat die meisten angespornt.
3 Ich habe aber die Brüder gesandt, damit nicht unser Rühmen über euch zunichtewerde in diesem Stück und damit ihr vorbereitet seid, wie ich gesagt habe,
4 dass nicht, wenn die aus Makedonien mit mir kommen und euch nicht vorbereitet finden, wir – um nicht zu sagen ihr – zuschanden würden mit dieser unsrer Zuversicht.
5 So habe ich es nun für nötig angesehen, die Brüder zu ermahnen, dass sie voran zögen zu euch, um eure angekündigte Segensgabe vorher bereitzustellen, sodass sie bereitliegt als eine Gabe des Segens und nicht des Geizes.
6 Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen.
7 Ein jeder, wie er’s sich imHerzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.
8 Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedemgutenWerk;
9 wie geschrieben steht (Ps 112,9): »Er hat ausgestreut und den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.«
10 Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit.
11 So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Lauterkeit, die durch uns wirkt Danksagung an Gott.
12 Denn der Dienst dieser Sammlung füllt nicht allein aus, woran es den Heiligen mangelt, sondern wirkt auch überschw.nglich darin, dass viele Gott danken.
13 Um dieses treuen Dienstes willen preisen sie Gott für euren Gehorsam im Bekenntnis zum Evangelium Christi und für dieLauterkeit eurer Gemeinschaftmit ihnen und allen.
14 Und in ihremGebet für euch sehnen sie sich nach euch wegen der überschwinglichen Gnade Gottes bei euch.
15 Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!
Liebe Gemeinde,
Was für ein Durcheinander! Nichts ist, wie es sein soll. Corona hat so viel auf den Kopf gestellt. Oder ausfallen lassen. Darumhaben wir heute den Gottesdienst mit einem Osterlied angefangen, weil wir in der Osterzeit kaum singen konnten. Und weil schon seit der Urchristenheit jeder Sonntag Auferstehungsfest war - Tag des Herrn Christus, der lebt, den Tod überwunden hat!
Dasswir vor der Sä- und Pflanzzeit Erntedankfest feiern, hat nichts mit Corona zu tun, sondern damit, dass das Kirchenjahr in der nördlichen Halbkugel entstanden ist, wo jetzt, im Herbst, die Ernte eingebracht wird. Aber in der Stadt macht es sowieso nichts aus - denn im Supermarkt könnenwir eigentlich immer alles bekommen. Nur am Preismerktman, ob es bei uns gerade Erntezeit ist.
Schon oftwurde ich gefragt, ob es sinnvoll ist, in der Großstadt Erntedank zu feiern. Meistens kommen die Fragenden selber zurAntwort:Eigentlich schon - zwar ernten wir nicht vom Feld, aber wir “ernten” Gehalt durch Beruf, Rente oder Beihilfen, sodass wir nicht verhungern, oder es uns sogar sehr gut geht.
Darum können wir feiern, danken, loben. Und heute, in dieser “Durcheinanderzeit”, wollen wir es ganz besonders tun, wollen uns freuen, dass wir leben, dass wir haben, dass wir teilen können oder andere mit uns geteilt haben!
Der Predigttext von heute (2 Korinther 9:8-15) ist Teil eines langen Abschnitts (Kap 8&9), wo es um Geld und Geben geht. Ich muss gestehen, dass es mir bis jetzt nie aufgefallen ist, dass zwei ganze Kapitel im Neuen Testament hierüber handeln. Im Alten Testament sind es vielmehr - da wird von der Erstlingsgabe, vom Zehnten ausführlich geschrieben. Im Neuen Testament wird nichts von Erstlingsgabe oder Zehnten gesagt. Jesus selbst hat nur gesagt: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist (Lk 20,25).
Wenn man dann 2 Korinther 8 und 9 liest, ist da eine ganz andere Einstellung als imAlten Testament.Weder Vorschriften noch Richtlinien gibt es hier. Es geht um Solidarität. Ja, hier wird der erste Solidaritätsfonds der Kirchengeschichte gegründet, um die verarmte Gemeinde in Jerusalem zu unterstützen. Vorschriften nein - aber Grundsätze - darum geht es. Man könnte es so zusammenfassen: Das Einsammeln des Geldes ist nicht, worum es geht, sondern Paulus zeigt, dass der Umgang mit dem Geld wie ein Barometer ist, von dem man ablesen kann, was die Grundhaltung und Lebenseinstellung
eines Menschen ist. Ich mache dir Mut, die beiden Kapitel zu lesen und zu entdecken, worum es geht.
Für das heutige Erntedankfest wollen wir aber auf 9:8-15 konzentrieren. Ich möchte es die “Wellen des Dankes” nennen. Sie lassen sich in 5xG zusammenfassen: Gnade, Genug, Gewillt, Gemeinsam, Gotteslob
1. Alles ist Gnade
“Gott kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei”. Farmer sind sich der Gnade Gottes vielmehr bewusst als Stadtmenschen. Sie wissen, dass zwar Pflügen und Streuen in ihrer Hand ist, Wachstum und Gedeihen aber aus Gottes Hand kommt. Paulus schreibt diese Worte an eine Stadtgemeinde, die vom Handel, von der Wirtschaft lebt - eher wie wir. Und er erinnert sie und uns daran, dass letztlich alles Gnade ist, was ich bin und habe. Das merkt man immer dann, wenn man Menschen trifft, denen es viel schlechter geht, ohne dass sie selber daran Schuld haben. Natürlich, wenn ich mich vergleiche mit denen, die es besser haben, fällt es nicht ganz so leicht, von Gnade zu sprechen. Andrerseits denke ich an Begegnungen mit Menschen, die allen Grund zum Klagen haben, aber mit strahlendem Gesicht sagen: Der Herr ist gut zu mir!
Dieser Erntedanktag will uns ermutigen, und helfen, bewusst wieder die Gnade Gottes zu erkennen - auch in der Corona krisenzeit, auch wenn ich nicht reich bin! Wenn ich lerne, das zu sehen, verstehe ich auch, was Paulus sagt, wenn er von “Volles Genüge” spricht.
2. Volles Genüge, Genug
Je mehr man hat, desto mehr möchteman haben. Es reicht längst nicht mehr, Millionär zu sein. Dieses gilt nicht nur für Beamte oder Politiker, die trotz ihres guten Gehalts noch tüchtig in die Kasse greifen, und nie genug bekommen. Es ist eine tiefe, typischmenschliche Einstellung,mehr haben zu
wollen. Man kann es schon bei kleinen Kindern beobachten - ab einem bestimmten Alter nehmen sie sich nicht nur ein Bonbon aus der Schale, sondern greifen mit beiden Händen hinein und stopfen in den Mund, bis es nicht mehr geht.
Diese Eigenschaft müssen wir ab-lernen. Das passiert, wenn wir nicht auf das konzentrieren, was wir nicht haben, sondern die Gnade sehen, die hinter dem steht, was wir haben.
In unserer Pietermaritzburger Zeit wurde dort die Seniorenresidenz “Luthergarten” gebaut. Ich konnte miterleben, wie Menschen ihre wunderbaren Häuser verkauften, sich reduzierten, um in die kleinere (wenn auch immer noch geräumigen)Wohnungen zu ziehen. Da habe ich zum ersten Mal darüber nachgedacht, wie, auch bei mir, man sammelt und sammelt, nur um dann irgendwann zu überlegen: Wohin damit?
Paulus nennt nun noch eine wichtige Grundhaltung:Wer erkennt, was er hat, der merkt, dass er teilen kann.
3. Gewillt sein zu jedem guten Werk
In Kapitel 8 erzählt Paulus staunend, wie reichlich die ärmlichen Gemeinden in Mazedonien gesammelt haben. Er befürchtet, dass wohlhabende Korinther anders reagieren werden. Es könnte sein, dass ihr Beitrag nicht eine Gabe des Segens ist, sondern eine Gabe des Geizes! (Vers 5). Bei den Armen hat er
beobachtet, dass sie nicht nur nach Fähigkeit geben, sondern sogar darüber hinaus (8:3-5) Ja, sie haben sogar darum gebeten, mithelfen zu dürfen, weil sie merkten, dass man sie schonen wollte.
Wer die Gnade Gottes im Leben erkennt, wer sieht, was er hat, der merkt auch, dass genug da ist, zu teilen, vor allem, wenn man dann die Not anderer sieht.
4. Gemeinsamerkennen, wo wir helfen können
Die Not der Welt kann einen mutlos machen. Was kann ich daran schon ändern? In diesen beiden Kapiteln lenkt Paulus den Blick weg von der über großen Not überall zu einer konkreten Situation: Die verarmte, hungernde Gemeinde in Jerusalem. Gemeinsam können wir da helfen. Ich freue mich, wenn Gemeinden ganz konkrete Situationen identifizieren, wo sie sagen: Da können wir helfen! Da können wir einen Unterschied machen.
Der Solidaritätsfonds unserer Kirche hat die gleiche Funktion, dass wir uns als Gemeinden gegenseitig unterstützen, oder, wie Paulus in 8:14 schreibt:
“Jetzt helfe euer Überfluss ihremMangel ab, damit auch ihr Überfluss eurem Mangel abhelfe und so ein Ausgleich geschehe”.
Durch diese ganz andere Grundeinstellung zum Besitz und zum Leben entsteht dann eine faszinierende Evangeliumsbewegung:
5. Das führt zum Gotteslob
Paulus macht ganz klar: Es geht um mehr als nur irdische Not. Der Gebende gibt aus Dank Gott gegen über (einen fröhlichen Geber hat Gott lieb - Vers 7), und der Empfangende lobt Gott für die Gnade durch die Gabe. Weil das ganze um Christi willen, um des Evangeliums willen geschieht, wird
hierdurch Christus verherrlicht - beim Geber und beim Empfänger!
Beim Geben loben wir Gott, und der Empfänger lobt Gott auch - und wird dadurch bereit, auch wieder zum Geber zu werden.
Dieses geschieht nicht automatisch. Wir müssen uns immerwieder an die 5xG erinnern lassen, sonst rutschen wir wieder ab in das Hasten, Sammeln, Horten. Feste, wie das Erntedank, helfen uns, neu darüber nach zu denken.
Amen
Horst Müller, Bischof NELCSA,