2022-02-27 - Letzter Sonntag vor der Passionszeit - Estomihi - Bischof Horst Müller

( Markus 8v31-38 ) - [ Afrikaans ] - [ Akündigungen414.55 KB ]


31 Und Jesus fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.

32 Und er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren.

33 Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh hinter mich, du Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.

34 Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

35 Denn wer sein Leben behalten will, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird’s behalten.

36 Denn was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele?

37 Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?

38 Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.


Liebe Gemeinde,

“Es ist Putins Krieg” - diese Worte des Bundeskanzler Scholz werden in vielen Sprachen von vielen Regierungsleitenden wiederholt. Putin hat sich seine Welt gedeutet, wie er es möchte, um damit zu rechtfertigen, dass Russische Truppen die Ukraine angreifen. In seinen Augen hat er das vollste Recht dazu.

“Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.” hat Jesus gesagt. Diese Worte wurden im Laufe der Geschichte sehr unterschiedlich interpretiert um eigene Ziele zu erreichen. Angeblich gerechte Kriege wurden unter diesem Satz und Vorwand geführt. Die dunkelste Zeit der Christenheit wurde damit eingeleitet, als im Jahr 1095 in Europa die Christen aufgefordert wurden, “das Kreuz aufzunehmen” um Jerusalem vom Islam zu befreien. “Wer sein Leben verliert um meinetwillen” wurde von der Kirche so interpretiert, dass jeder, der auf diesem Kreuzzug sein Leben verliert, die Seligkeit bekommt. Hunderttausende Christen glaubten diesen Worten, sodass im Laufe von fast 200 Jahren unzählige Menschen ums Leben kamen, Könige gestürzt und Länder zerstört wurden. Alles “unter dem Zeichen des Kreuzes” und “im Namen Christi”. Ja, auch in der Kirchengeschichte und unter Kirchenfürsten hat es “Putins” gegeben, die mit ihren Wahnvorstellungen viel Leid verursacht haben.

Es gibt aber noch eine zweite Art, wie die Worte Jesu missverstanden werden. Diese ist mir unter Christen oft begegnet, etwa in der Form: “Ich muss eben dieses Kreuz tragen”. Christinnen, die von ihren Ehepartnern misshandelt und wie Dreck behandelt werden, Menschen, die von anderen gemobbt werden, Arbeitnehmer, die vom Arbeitgeber missbraucht und ausgenutzt werden.

Ich unterschätze nicht die Misere, welche diese Menschen erleiden. Aber wir dürfen nicht zusehen, dass sie sich fügen, weil sie meinen, dass es ihr von Christus verlangtes Schicksal ist. Jesus will mit diesen Worten nicht sagen, dass wir Unrecht dulden sollen - schon gar nicht, wenn wir beobachten, wie es anderen zugefügt wird. Wir Christen sollen nicht schweigen, wenn wir mitbekommen, wie Unrecht passiert, und dürfen uns nicht hinter diesen Worten verstecken mit der Behauptung, dass das Kreuz ja zum Leben dazu gehört!

Worum geht es Jesus bei diesen Worten? Wie sollen wir sie verstehen?

Jesus lehrt (er macht den Jüngern klar: Hier geht es um Grundsätze)

Diese Formulierung ist interessant - es heißt nicht nur: Jesus sagte. Das, was jetzt kommt, ist wichtig. Das Leiden Jesu ist nicht eine einmalige Pleite oder gar Nebensächlichkeit, sondern es ist wesentlicher Teil der Sendung Jesu.

Der Menschensohn muss leiden. Es geht bei seiner Sendung um viel mehr als einige schöne Gleichnisse zu erzählen und ein paar Wunder zu wirken. Er führt den Kamp gegen die Macht des Bösen. Damit die Macht des Bösen gebrochen wird, muss Jesus sich diesem Bösen aussetzen - und Teil davon ist, dass er die volle Macht des Bösen zu spüren bekommt. Das lehrt Jesus seine Jünger.

Doch er sagt noch mehr:
Er wird wiederkommen in Herrlichkeit: Er setzt sich nicht mit dem Bösen auseinander um sich der Macht zu fügen. Sein Ziel ist, es endgültig zu überwinden. Diese Herrlichkeit ist sein Ziel, und er möchte, dass wir daran teilhaben.
Doch dann kommen die harten Worte: Wer immer Jesus nachfolgen will, muss bereit sein, in ähnlicher Weise mit dem Bösen konfrontiert zu werden, die Macht des Bösen zu erleben - das Kreuz zu tragen, wie Jesus es trug.

Hier in Markus lesen wir, dass Jesus diese Einladung zur Nachfolge an “das Volk samt seinen Jüngern” richtet. Es ist eine offene Einladung. Wer immer möchte, darf kommen, darf hinter Jesus hergehen, mit ihm dieses Ziel verfolgen.

Wichtig ist das Wort “Nachfolge” - denn es geht nicht darum, den Namen “Jesus Christus” auf die Flagge zu schreiben und dann zu tun was man möchte. Es geht nicht darum, “Soli Deo Gloria” als Logo zu haben, und dann alles für die eigene Ehre dran zu setzen. Mit diesen und ähnlichen Slogans und Parolen wurden unzählige Kriege gekämpft, die nichts mit dem Kampf gegen das Böse zu tun hatten, und nichts mit Nachfolge Jesu. Nachfolgen heißt: Jesus vor Augen haben, immer wieder zu fragen: Was entspricht dem Geist und dem Ziel Jesu?

Deswegen sagt Jesus hier auch: “wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen”. Damit betont er nochmal das Ziel seiner Sendung: Er will das Böse überwinden und die Menschen, die ganze Welt, in seine Herrlichkeit führen.

In der Epistellesung haben wir heute 1 Kor 13 gehört - das Hohelied der Liebe. Auch wenn dieser Text gerne bei Hochzeiten gelesen wird, geht es hier um viel mehr als ein romantisches Zusammenleben. Paulus fasst in anderen Worten zusammen, was es bedeutet, das Kreuz auf sich zu nehmen und Jesus nachzufolgen, besonders wenn er sagt: Die Liebe gibt nicht auf - gibt auch die Menschen in ihrer Bosheit nicht auf!

Das Evangelium - die Liebe Jesu - will uns verwandeln und zu Menschen machen durch die die Sache Jesu vorangetrieben wird.

Das bedeutet, dass wir manchmal auch viel Ärger und Wiederstand ernten - wenn wir jemanden zur Rechenschaft ziehen, der seine Macht dem Ehepartner oder Kindern gegenüber missbraucht; wenn wir eine Person in Schutz nehmen, die gemobbt wird, und den Mobbern die Wahrheit sagen; wenn wir Rassenvorurteile beim Namen nennen und uns bemühen, um Christi Willen Brücken zu bauen.

Es ist nicht immer leicht.

Aber, wie auch in Markus zu sehen, gibt es auch immer wieder Höhepunkte bei der Nachfolge: Erlebnisse, wie Jesus sich kümmert - die Speisung der Vielen, Heilen, Helfen. Wunderbare Freuden-Augenblicke - Die Verklärung auf dem Berg. Das sind Ereignisse, die bei Markus rundum diesen Text herum passieren.

Kreuz aufnehmen und Jesus nachfolgen ist nicht nur schwer. Es ist auch schön. Und, vor allem darf ich wissen, dass ich darin Teil habe an einer Sendung die viel größer ist als alles was jetzt um uns herum passiert.

Herr, hilf uns, bei all dem Chaos und Kriegsgeschrei, bei allen Sorgen und allem Ärger, dich nicht aus dem Auge zu verlieren und mutig mit anderen Christen zusammen dir nachzufolgen. Wecke die Christenheit in der ganzen Welt auf, damit wir zusammen stehen und kein neuer Krieg ausbricht, Ungerechtigkeit überwunden wird, und Menschen auf der ganzen Welt deine Liebe erfahren können - dir zur Ehre und der Welt zum Segen!

Amen

Horst Müller, Bischof NELCSA, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!