2022-06-26 - 2. Sonntag nach Trinitatis (DE) - Prädikantin Renate Switala

( Jona 3, 1-10 ) - [ Afrikaans ] - [ Akündigungen359.11 KB ]


Jona, der Prophet, war von Gott beauftragt worden, nach Ninive zu gehen.. Als Sprecher an Gottes Stelle soll er dort Umkehr predigen, denn Ninive droht der Untergang. Kaum hört Jona diesen Auftrag geht er schon los, allerdings in die Gegenrichtung. Niemals will er in Ninive predigen. 

Ninive ist die Hauptstadt des gefährlichen, feindlichen Assyrerreiches und für Israel das Synonym für Krieg, Gewalt, Vernichtung, Bosheit, Exil und Sklaverei. 

Die Bürgerinnen und Bürger von Ninive sind schlimmste Feinde Israels. Sie stehen für das Böse schlechthin. Ihr Untergang wäre in den Augen Jonas eigentlich eine gerechte Sache. Nein, lieber will Jona tot sein, als Ninive zu betreten. Er flüchtet vor Gottes Auftrag weit weg, über das Meer. Er bestieg ein Schiff und reiste in die entgegengesetzte Richtung. Diese Flucht wurde jedoch beendet. Ein gewaltiger Sturm liess das Schiff beinahe sinken. Ein grosser Fisch transportierte den abtrünnigen Propheten in die Nähe von Ninive. und gibt ihm wieder festen Boden unter die Füße. 

Direkt hier setzt unser heutiger Predigttext an. Kein Tadel von Gott, kein Vorwurf. Es geht einfach weiter. Die Aufgabe ist noch nicht erledigt. 

Doch Gott ist beharrlich. Wenn wir das Buch Jona als Ganzes lesen, dann erfahren wir, wie kreativ und geduldig Gott sein muss. 

TEXT LESEN Jona 3,1-10 


1 Und das Wort des HERRN erging zum zweiten Mal an Jona: 

2 Mach dich auf, geh nach Ninive, in die grosse Stadt, und rufe ihr die Botschaft zu, die ich dir sage. 

3 Und Jona machte sich auf, und dem Wort des HERRN gemäss ging er nach Ninive. Ninive aber war selbst für einen Gott eine grosse Stadt, man benötigte drei Tagesreisen, um sie zu durchqueren. 

4 Und Jona begann die Stadt zu durchwandern, eine Tagesreise weit, und er rief und sprach: Noch vierzig Tage, dann ist Ninive zerstört! 

5 Da glaubten die Menschen von Ninive an Gott und riefen ein Fasten aus und legten Trauergewänder an, ihre Grössten wie ihre Kleinsten. 

6 Und das Wort gelangte zum König von Ninive, und er erhob sich von seinem Thron und legte seinen Mantel ab. Dann hüllte er sich in ein Trauergewand und setzte sich in den Staub. 

7 Und er liess in Ninive ausrufen und sprach: Auf Befehl des Königs und seiner Grossen: Mensch und Tier, Rind und Schaf sollen nichts zu sich nehmen, nicht weiden und kein Wasser trinken. 

8 Und sie sollen sich in Trauergewänder hüllen - Mensch und Tier - und mit Inbrunst zu Gott rufen, und sie sollen sich abkehren, ein jeder von seinem bösen Weg und von der Gewalt an ihren Händen. 9 Wer weiss: Der Gott könnte umkehren, es könnte ihm leidtun, und er könnte sich abkehren von seinem glühenden Zorn. Dann gehen wir nicht zugrunde. 

10 Und Gott sah, was sie taten, dass sie zurückgekehrt waren von ihrem bösen Weg. Und Gott tat das Unheil leid, das über sie zu bringen er angekündigt hatte, und er führte es nicht aus. 


„Wir müssen umkehren“ – wer das auf einer Bergwanderung zu seinen Wandergefährten sagt, signalisiert: wir haben uns verlaufen. Hier geht es nicht mehr weiter. Oder er gesteht sich ein: wir schaffen es nicht, der Weg ist zu schwierig und unwegsam. Wer das schon einmal erlebt hat, weiß, dass Umkehren mit Enttäuschung und Frustration verbunden ist. Es kann aber auch sein, dass jemand Erleichterung und Entlastung empfindet. 

Auch im Alltagsleben gibt es die Erfahrung, dass Umkehr hilfreich ist und manchmal notwendig. 

Vor der Entscheidung zur Umkehr brauchen wir Einsicht, dass der geplante Weg nicht zum Ziel führt, zu gefährlich ist oder sogar Unheil bringt. Neben Umkehr aus Einsicht gibt es auch die Umkehr aus Vorsicht oder Rücksicht. 

Die neuen Wege, die eingeschlagen werden, haben einen Vorteil. Es können Wege zum Leben sein. 

Umkehr zum Leben, geschähe, wenn es gelänge, die Klimaziele zu beherzigen und ihre Einhaltung durch Umkehr von umweltbelastenden Praktiken anzustreben. 

„Umkehr zum Leben“ ist möglich, wenn sich aus der Einsicht, dass es so nicht weitergeht, Rücksicht und Respekt unter den Menschen verschiedener Hautfarben entwickeln. 

Umkehr, das ist Einsicht, Vorsicht, Rücksicht und Umsicht. 

Es gibt Menschen, die sich gegen Umkehr sperren und andere, die sich durch einen Anstoß von außen darauf einlassen. Beiden Charakteren begegnen wir im Buch Jona. 

Der Prophet will vor Gottes Auftrag weglaufen, die Gerichtsbotschaft auszurufen, dass die Stadt Ninive untergehen soll. Doch dabei bringt er gleich zweimal Menschen aus anderen Völkern zur Umkehr und zur Hinwendung zum Gott Israels. 

Als Jona sagt, dass sie ihn vom Schiff ins Meer werfen sollen, damit sie aus der Seenot herauskommen, beten die Seeleute zu Jahwe, seinem Gott. Auch die Bewohner Ninives, denen er beim zweiten Anlauf doch die Zerstörung ihrer Stadt ansagt, kehren um. 

Worin genau ihre Bosheit bestanden hatte, erzählt die Geschichte nicht. Jonas Gerichtpredigt ist kurz: „Es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen“. Die Zahl 40 ist in der Bibel die Zahl der Erwartung, der Vorbereitung, der Buße und des Fastens. 

Menschen nutzen sie als Zeit der Reifung und Entwicklung, zum Nachdenken und zur Besinnung. Auch in der Jonageschichte nutzen die Bewohner Ninives die Zeit von 40 Tagen mit Erfolg. 

Eine wirkliche Predigt zur Unkehr findet nicht statt. Wir hören keine mahnenden Prophetenworte, keine Erklärung, keine Hilfestellung, sondern lediglich neun Worte. „ Es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen.“ 

Doch dann geschieht das Unglaubliche. Gott sieht dieses Verhalten und ist zutiefst angerührt. Der drohende Untergang wird abgewendet. Als Jonas Gerichtsbotschaft sie erreicht, handeln sie: Sie zeigen Einsicht, verändern sich und erfahren Rettung. 

Der Erzähler des Jonabuches zeigt seinen Leserinnen und Lesern: Keiner muss so bleiben wie er ist. Jede kann sich ändern. 

Die eigene Lebensgeschichte muss nicht in der Katastrophe enden. 

Rettung ist möglich. Wer auf Gott vertraut und ihn anruft, kann gerettet werden. 

Die Menschen aus Ninive erschrecken durch Jonas Botschaft. Sie halten inne und reagieren. Erwachsene und Kinder, der König und seine Untertanen, Menschen und Tiere fasten und trauern. 

Der König gibt die Hoffnung nicht auf, dass Umkehr und Gebet Gott umstimmen: „Und ein jeder kehre um von seinem bösen Wege und vom Frevel seiner Hände! Wer weiß, ob Gott nicht umkehrt und es ihn reut und er sich abwendet von seinem grimmigen Zorn, dass wir nicht verderben.“ Die Menschen in Ninive kehrten um und wandten sich Gott zu. 

Sie riefen ihn an und waren bereit, ihr Leben zu ändern. 

Das Bemerkenswerte an der Geschichte ist, dass sie damit Gott selbst zur Umkehr bewegten. Weil die Einwohner Ninives umkehrten, kehrte Gott auch um. Die Stadt wird nicht zerstört. Menschen und Tiere haben eine Zukunft. 

Das Gottesbild des Erzählers des Jonabuches ist interessant und ermutigend. Gottes Liebe ist größer als sein Zorn. Gott lässt seine Güte über seinen Zorn siegen. 

Gott ist gnädig, barmherzig und langmütig. Er ist reich an Güte und ihn reut das Unheil. Er ändert sich und erbarmt sich über die Menschen, denn er hat Mitgefühl mit den Menschen und Tieren. 

Ob Jona noch zum barmherzigen Gott umkehrt, bleibt offen. 

Es lohnt sich, das kleine kurze Buch Jona ganz zu lesen. 

Es lehrt uns: Trau dich umzukehren, Gott ist barmherzig und will, dass du lebst, mit allen Menschen und Tieren um dich herum. 

Amen.